Plastischer Chirurg Prof. Joseph Edward Murray

… war Wegbereiter für die Transplantationschirurgie

Niere mit Nebenniere

Bild: Niere im Querschnitt mit Nebenniere an der Spitze.

Prof. Joseph E. Murray  – Der Plastische Chirurg mit dem Nobelpreis.

Diesen erhielt er gemeinsam mit E. Donnall Thomas im Bereich Physiologie oder Medizin im Jahre 1990. Ausgezeichnet wurden die Errungenschaften für die Organ- und Zelltransplantation bei der Behandlung menschlicher Erkrankungen. Die erste erfolgreiche menschliche Nierentransplantation führte Joseph Murray im Jahre 1954 in Boston (USA) durch.

Kindheit

Joseph Edward Murray wurde am 01.04.1919 in Milford (Massachusetts, USA) geboren und am 26.11.2012 mit 93 Jahren an einem Schlaganfall in Boston verstorben.

Sein Vater William A. Murray war Anwalt, seine Mutter Mary DePasquale war Schullehrerin. In seiner Autobiographie schreibt J. Murray, er habe schon von klein auf Chirurg werden wollen. Dies, so Murray, habe sicherlich an dem guten Einfluss des Hausarztes gelegen, der die Kindererkrankungen behandelte.

Schule, College, Universität

In der High-School stach Murray als ausgezeichneter Athlet hervor. Seine besten Leistungen erreichte er im Eishockey und Baseball. Nach seinem High-School-Abschluss trat er in das ‚College of the Holy Cross‘ in Worcester (Massachusetts) ein. Im Anschluss begann er sein Medizinstudium an der Harvard Medical School, der medizinischen Eliteuniversität.

Über die Zeit in Harvard sagt Murray in seiner Autobiographie 4, es sei gewesen wie in seinen Träumen: der Himmel auf Erden. Obwohl er viel Zeit mit dem Studium verbrachte, genoss er die Nähe des Konzertsaales, des Gardener Museums, Squash, Radfahren und Tanz.

Gegen Ende seines Studiums lernte er Bobby Link kennen, die er im Jahre 1945 heiratete. Sie bekamen 3 Jungen und drei Mädchen.

Army, Beginn der Karriere

Nach seinem Abschlussexamen ging Joseph Murray zur US Army. Seine chirurgische Ausbildung erhielt er im  ‚Valley Forge General Hospital‘, einem Militärkrankenhaus in Pennsylvania. Das  ‚Valley Forge General Hospital‘ war ein großes  Zentrum für Plastische Chirurgie. Hier verbrachte Joseph Murray nicht nur seine Arbeitszeit, sondern all seine verfügbare Freizeit um Erfahrungen in der rekonstruktiven Plastischen Chirurgie zu sammeln. Dem Chef der Plastischen Chirurgie Colonel James Barrett Brown war sein Engagement bewusst. Er behielt Ihn in seiner Klinik, so dass er nicht nach Übersee geschickt wurde. Seine ersten Begegnungen mit der Transplantationschirurgie machte Joseph Murray in dieser Zeit im Rahmen der Behandlung vieler Verbrennungspatienten. Zunächst wurden Hauttransplantate von anderen Personen zu temporären Defektdeckung genutzt. Die Frage warum der eigene Körper die eigene Haut von fremder Haut unterscheiden konnte, faszinierte Joseph Murray und war der Beginn seines Interesses für die Transplantationschirurgie.

Nierentransplantation

Die erste Dialyse-Maschine wurde von Dr. Thorn nach dem 2. Weltkrieg vorgestellt. Mit Dr. Wilhelm Kolff und Dr. Carl W. Walter wurde Sie zur künstlichen Niere (Kolf-Brigham) weiterentwickelt und im Jahre 1948 erstmalig am Menschen eingesetzt. Die Wirkung der künstlichen Niere war allerdings nur von passagerer Natur, so war es naheliegend, dass nach einer besseren und permanenten Lösung gesucht werden musste. Diese Lösung fand Joseph Murray in der Transplantationschirurgie.

Von Hauttransplantationen her wusste man bereits, dass bei genetisch identischen Zwillingen keine Abstoßungsreaktion stattfand 1.  Zusammen mit diesem Wissen, dem Fortschreiten der Gefäß- und Mikrochirurgie und Erfolgen bei in Tierversuchen, sollte bald die erste Nierentransplantation folgen. Diese wurde von Joseph Murray im Jahre 1954, zwischen zwei eineiigen, also genetisch identischen, Zwillingen durchgeführt 2. Daher war bei dieser Transplantation keine Immunsuppression (Unterdrückung der Immunabwehr mittels Pharmaka) notwendig.

Erstmals gelang die Nierentransplantation an genetisch nicht identischen Menschen im Jahr 1962 3. Dieses war möglich durch das Aufkommen immunsuppressiver Medikamente (u.a. Azathioprin).

Weitere Organe

Mit diesen Eingriffen nahm die Organtransplantation Ihren Lauf. Es folgten Leber-, Herz-, Lungen- und andere Transplantationen von verschiedenen Forschungsgruppen. Die Überlebensraten waren allerdings bis zum Ende der 60-er Jahre dürftig. Erst später konnten die Überlebensraten durch neuere Medikamente deutlich verbessert werden.

Schlusswort

Der Plastische Chirurg Joseph Murray war mit seinen Forschungen und Eingriffen der Wegbereiter nicht nur für die Nierentransplantationschirurgie, sondern generell für die Transplantationschirurgie. Der Nobelpreis würdigt sein Lebenswerk.