Rhizarthrose / Daumensattelgelenksarthrose

Fakten zur Rhizarthrose:

  • Die Rhizarthrose ist die häufigste Arthrose an der Hand.
  • Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
  • Die Daumensattelgelenksarthrose nach Brüchen mit Gelenkbeteiligung ist selten.
  • Manchmal macht die Rhizarthrose trotz röntgenologisch ausgeprägter Befunde keinerlei Beschwerden.

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Typische Schmerzlokalisation (rot) bei der Rhizarthrose.

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Die Rhizarthrose ist eine sogenannte Carpometacarpalgelenksarthrose und wird auch Daumensattelgelenksarthrose, Sattelgelenksarthrose oder vom Laien einfach Daumenarthrose genannt.

Bei der Rhizarthrose besteht oft eine erbliche Vorbelastung. Auch Basisbrüche des 1. Mittelhandknochens mit Gelenkbeteiligung können zum Verschleiß des Daumensattelgelenkes führen. Auf dem Röntgenbild sieht man einen verschmälerten Gelenkspalt, der in fortgeschrittenen Fällen komplett verschwunden ist. Man spricht hier auch von einer Knochenglatze, da das Gelenk keine Knorpelschicht mehr aufweist. Das Endstadium der Rhizarthrose besteht in der Gelenksteife.

Anatomie:
Das Daumensattelgelenk ist am Handgelenk an der Basis des Daumens lokalisiert. Streckt man den Daumen, so kann man an seiner Basis streckseitig zwei Sehnen erkennen, die sich anspannen. Drückt man in das dazwischen liegende Grübchen (am körperfernen Teil des Grübchens), tastet man das große Vieleckbein (ein Handwurzelknochen), welches mit dem ersten Mittelhandknochen das Sattelgelenk bildet. Der Name beschreibt die Beziehung der beiden Knochen zueinander. Der 1. Mittelhandknochen sitzt auf dem Vieleckbein wie ein Reiter auf dem Sattel.

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Typische Rhizarthrose (<) mit Gelenkspaltverschmälerung, Verkalkungen, und Luxation (Verschiebung) des 1. Mittelhandknochens
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Normales Daumensattelgelenk (<)

Die Ausprägung der Schmerzen bei der Rhizarthrose ist abhängig vom Stadium der Erkrankung. Die Beschwerden betreffend, liegt eine erstaunliche individuelle Variabilität vor. Es gibt Patienten, die trotz stärkster Arthrose im Röntgenbild kaum einen Leidensdruck verspüren und umgekehrt. Die Schmerzen am Daumen sind meist belastungs- und oft wetterabhängig (Wetterfühligkeit). Oft tritt nach starker Beanspruchung des Daumens eine sogenannte Aktivierung der Rhizarthrose auf, die sich durch Schwellung, Zunahme der Schmerzen und manchmal auch durch eine Rötung äußert.

Durch die Minderbenutzung des Daumens entsteht ein Schwund der Daumenmuskulatur, die zur Schwäche führt. Die Umbauvorgänge betreffen nicht nur die Muskulatur, sondern sind auch an Knochen und Bändern zu beobachten. Die Knochendichte nimmt ab, das Gelenk wird instabil und der 1. Mittelhandknochen rutscht speichenwärts. Letzteres nennt man Subluxation, was im Rahmen einer fortgeschrittenen Rhizarthrose häufig anzutreffen ist.

Daumensattelgelenkarthrose ohne Schmerzen
Hier sehen Sie den Befund einer weit fortgeschrittenen Daumensattelgelenksarthrose. Das Daumensattelgelenk (Pfeil) ist deutlich aufgetrieben und komplett eingesteift. Kompensatorisch kann das Daumengrundgelenk überstreckt werden. Die Patientin leidet seit vielen Jahren an der Rhizarthrose mit allerdings nur mäßigen Beschwerden. Die Funktion war nie stark eingeschränkt, und Sie kommt bis heute mit einer leichten bis mittelstarken Schmerzmedikation aus. Sie ist mittlerweile 85 Jahre alt. Im Gegensatz zu diesem Beispiel gibt es Verläufe, die selbst röntgenologisch kaum auffallen, aber mit massiven Schmerzen einhergehen.
 

Die konservative Behandlung einer Daumensattelgelenksarthrose besteht aus der Ruhigstellung des Gelenkes und Hemmung der Entzündung (Entzündung ohne Bakterien!). Es werden Salbenverbände (z. B. Voltarensalbe) angelegt und sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) rezeptiert. Auch kann eine Injektion mit entzündungshemmenden Medikamenten (Kortison, NSAR) in das Daumensattelgelenk erfolgen. Die Ruhigstellung erreicht man mit speziellen Schienen, die durch Klettverschluss fixiert werden. Sie stellen das Daumengrund- und Sattelgelenk ruhig. Die Schienen werden zeitweise (nachts oder bei Belastung) getragen.

Daumenschiene zur konservativen Behandlung bei Rhizarthrose
Daumenschiene zur Ruhigstellung bei der Daumensattelgelenksarthrose.

Die Radiosynoviorthese ist ein konservatives Instrument zur Behandlung der Rhizarthrose. Bei dieser Behandlung wird ein radioaktives Material (186 Rhenium) in das Daumensattelgelenk eingespritzt. Dieses führt zum Rückgang der Aktivität der Rhizarthrose einschließlich der Reduktion von Schwellung und Schmerzen. Bis zur vollen Wirkung muss manchmal 3 Monate Geduld aufgebracht werden. Die Wirkdauer beträgt wenige Jahre (im Durchschnitt 2 Jahre). Die Radiosynoviorthese kann man wiederholt anwenden. Jedoch sollte nicht verschwiegen werden, dass auch hier Komplikationen auftreten können. Dazu gehören die Infektion, das Absterben von Gewebe und Verklebungen umgebender Strukturen (z. B. Sehnen und Bänder) mit der Folge einer Einsteifung des Daumensattelgelenkes. Für weitere Informationen bitte googeln.

Hier erfahren Sie Weiteres zur Operation bei der Rhizarthrose und zur Nachbehandlung der OP.

Ist bei der Rhizarthrose die konservative Therapie ausgereizt und eine Besserung der Beschwerden nicht in ausreichendem Maße möglich, so ist es Zeit, über eine Operation nachzudenken. Bevor über die OP im Sinne eines Gelenkersatzes nachgedacht wird, sollte auch die kleine Rhizarthrose-OP in Erwägung gezogen werden:

Denervation bei der Rhizarthrose

Bei röntgenologisch noch nicht zu stark fortgeschrittener Rhizarthrose besteht die Möglichkeit, die Schmerzfortleitung zu blockieren, indem die schmerzweiterleitenden Nervenfasern zerstört werden. Die OP kann in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Vor einer solchen Operation sollten die entsprechenden Nerven mit einem Betäubungsmittel probeblockiert werden. Nur wenn dies mit Erfolg gelingt, macht die OP Sinn. Der Effekt dieses Eingriffes ist leider nicht für immer vorhanden. Bereits nach ca. 4 Jahren können die Rhizarthrose-Beschwerden erneut auftreten, weil die Schmerzfortleitung von anderen Nervenfasern übernommen wird. Jedoch ist dieser Eingriff eine gute Alternative bei Rhizarthrose-Patienten mit vielen Nebenerkrankungen und mit Angst vor dem Gelenkersatz.

Gelenkersatz

Bei der Rhizarthrose ist die Anzahl beschriebener operativer Verfahren für den Gelenkersatz groß. Prinzipiell kann unterschieden werden zwischen einer Operation mit und ohne Fremdmaterial. Einer der am häufigsten durchgeführten Eingriffe ist die Resektionsarthroplastik (siehe nächster Absatz) bei der eine Neubildung des Gelenkes mittels Eigengewebe erfolgt.

Weitere Verfahren beinhalten das Einsetzen von künstlichen Sattelgelenksprothesen oder eines sogenannten Spacers (Silikonspacer). Bezüglich der Ergebnisse des Gelenkersatzes mittels Sattelgelenksprothesen (noch in der experimentellen Phase) konnten im Vergleich zur Arthroplastik noch keine entscheidende Vorteile nachgewiesen werden. Daher empfehlen die meisten Handchirurgen bei der Rhizarthrose die Resektionsarthroplastik. Beim Silikon-Spacer haben Implantatabrieb oder Implantatbruch dazu geführt, dass die Indikation zu diesem Gelenkersatz zurückhaltend gestellt wird. Auch können diese Silikonspacer verrutschen (keine Stabilisierung wie bei der Resektionsarthroplastik) oder zu einer Schleimhautreizung/ Entzündung (= Synovitis) führen. 2

Bild: Hier sehen Sie ein zweiteiliges Daumensattelgelenks-Implantat aus Keramik. Der runde, konvexe Anteil wird im großen Vieleckbein (Os trapezium), der konKave Anteil in der Basis des 1. Mittelhandknochens verankert.

Daumensattelgelenks-Implantat

Was ist eine Resektionsarthroplastik?

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Bild: Resektionsarthroplastik bei Rhizarthrose. Im Klemmchen wird das Sehnenende gehalten. In der Tiefe schimmert der Sehnenknoten weißlich.

Bei der Resektionsarthroplastik handelt es sich um einen Gelenkersatz mit Eigengewebe (Sehne) bei der Rhizarthrose. Es sind viele Verfahren beschrieben worden. Im Folgenden wird auf den Ersatz mit der FCR-Sehne eingegangen.

Die Resektionsarthroplastik kann, ambulant (abhängig von Nebenerkrankungen) aber auch stationär durchgeführt werden. Eine Plexusanästhesie (Armbetäubung in der Achselhöhle) wird häufig angewendet. Aber es gibt auch die Möglichkeit der sogenannten iv. Regionalanästhesie in Kombination mit einem Dämmerschlaf.

Bei der Rhizarthrose ist die Gelenkfläche zwischen dem großen Vieleckbein und dem ersten Mittelhandknochen geschädigt. Dieses Gelenk gilt es, bei der Operation zu entfernen und neuzubilden. Zunächst wird über einen ca. 3 – 4 cm langen Schnitt an der streckseitigen Daumenbasis das große Vieleckbein entfernt. Dabei müssen die Bänder, der streckseitige Hautempfindungsast des Speichennerven und die in der Tiefe liegende Spendersehne geschont werden. Der entstandene Defekt sollte nun mit der Spendersehne vom Unterarm (Flexor carpi radialis) gefüllt werden. So entsteht zudem eine gute Pufferzone für die Basis des ersten Mittelhandknochens. Außerdem wird letzterer durch eine Umschlingung mit der genannten Sehne über ein Bohrloch fixiert. Anschließend wird diese Sehne verknotet und dieser Knoten mit zusätzlichen Nähten stabilisiert. Der Knoten füllt, wie oben beschrieben, die entstandene Lücke.

Es sollte allerdings noch erwähnt werden, dass in Studien auch gute Ergebnisse mit der bloßen Entfernung des großen Vieleckbeins erzielt werden konnten.

Quellen:

  • 1. Green’s Operative Handsurgery – Green, Hotchkiss, Pederson, Wolfe – Elsevier Churchill Livingstone – Fifth Edition
  • 2. CMC arthroplasty of the thumb: a review. – Matullo KS, Ilyas A, Thoder JJ. – Hand (N Y). 2007 Dec;2(4):232-9. Epub 2007 Aug 7. review

Rhizartrose Nachbehandlung

Es existieren viele verschiedene Möglichkeiten der Operation einer Rhizarthrose. Daher ist die Nachbehandlung nach einer Operation in Abhängigkeit von der durchgeführten Methode und in Abhängigkeit vom Operateur zum Teil sehr verschieden. Auf dieser Seite wird die Nachbehandlung nach einer modifizierten Resektionsinterpositionsarthroplastik (Gelenkersatz mit Eigengewebe) dargestellt, wie sie von Dr. Schumann in der YUVEO-Klinik durchgeführt wird. Da bei der Operation kein Metall eingesetzt wird, ist eine lange Fixierung des Sattelgelenkes im Gips nicht nötig.

Wie sieht die Behandlung der Rhizarthrose nach einer Resektionsarthroplastik aus?

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Nach der Resektionsinterpositionsarthroplastik bei der Rhizarthrose ist eine zweiwöchige Ruhigstellung des Daumens durch eine Daumengipsschiene Standard.

Anschließend werden die Fäden entfernt und ein Watteverband für weitere 2 Wochen angelegt. Mit diesem Verband können unter Anleitung bereits ab der dritten Woche vorsichtige Bewegungsübungen ohne Belastung durchgeführt werden. Ein Verkleben der Sehnen und Bänder soll dadurch verhindert werden. Der Belastungsaufbau beginnt dann vorsichtig ab der 5. Woche.

In manchen Kliniken wird die Ruhigstellung aber auch bis zu 6 Wochen empfohlen und das Gelenk vorübergehend mit einem Bohrdraht fixiert.

Eine komplette Einsatzfähigkeit der Hand ohne Einschränkungen ist nach ca. 2 – 3 Monaten zu erwarten.

Quellen:

  • 1. Green’s Operative Handsurgery – Green, Hotchkiss, Pederson, Wolfe – Elsevier Churchill Livingstone – Fifth Edition
  • 2. CMC arthroplasty of the thumb: a review. – Matullo KS, Ilyas A, Thoder JJ. – Hand (N Y). 2007 Dec;2(4):232-9. Epub 2007 Aug 7. review