Operation beim Enchondrom der Hand und Finger

Enchondrom am Kahnbein - Kahnbeinzyste

Bild: Enchondrom im Kahnbein (Kahnbeinzyste), heller Fleck im großen kahnförmigen Handwurzelknochen. Diese Lokalisation am Handgelenk ist selter anzutreffen.

 

Das Enchondrom ist ein gutartiger Tumor des Knochens und besteht aus Knorpel. Es kann prinzipiell an jedem Knochen auftreten. Die genaue Ursache des Auftretens ist unklar. Dieser zystische Knochentumor kann einzeln oder in größerer Zahl vorkommen. Bei der letzteren Variante spricht man von einer Enchondromatose.

Das Enchondrom zeigt sich deutlich als dunkler Fleck im Röntgenbild eventuell mit Verkalkungen, so dass in der Regel keine weitere Diagnostik erforderlich ist.

Welche Beschwerden sind für das Enchondrom typisch?

Direkte Beschwerden macht das Enchondrom nur selten. Daher wird es oft als Zufallsbefund im Röntgenbild festgestellt. Ein größeres Enchondrom kann aber durch eine Schwellung sichtbar werden. Weiterhin kann die äußere Knochenschicht, die Kortikalis, so ausgedünnt sein, dass es zum Einbruch oder kompletten Bruch bei Bagatellverletzungen (sog. pathologische Fraktur) kommen kann. Auf diese Weise macht sich das Enchondrom durch Schmerzen, wie beim Knochenbruch bemerkbar. Es sollte z.B. bei unklaren Handgelenkschmerzen auch ein Enchondrom in Erwägung gezogen werden. Bei einem unkompliziertem Bruch bietet es sich an das Enchondrom erst nach der Bruchheilung zu entfernen. Bedarf der Bruch aber einer Op, so wird dies mit der Enchondrom-Ausräumung kombiniert.

Fakten und Statistiken

Bei diesem gutartigen Knochentumor sind folgende Fakten bekannt:

  • Es handelt sich um den häufigsten Tumor am Skelett der Hand.
  • Das Enchondrom kann entarten. An der Hand ist dies jedoch extrem selten.
  • 90 % aller Knochentumore an der Hand sind Enchondrome.
  • In 35 % der Fälle entsteht die Geschwulst an der Hand.
  • Meist sind Menschen im Alter von 10-40 Jahren betroffen.
  • An den Handwurzelknochen ist das Enchondrom seltener zu finden, als an den Röhrenknochen der Hand.

Was sollte man über die Operation beim Enchondrom wissen?

Enchondrom-op-Defektauffuellung mit HydroxylapatitEnchondrom am Finger - Hand

Bild: Links: Enchondrom an der Finger-Grundgliedbasis mit Kortikalisausdünnung; Rechts: Auffüllung des Defektes mit Hydroxylapatit-Keramik.

 

 

Wann sollte operiert werden?

  • Ein kleines Enchondrom, welches keinerlei Beschwerden macht kann beobachtet werden (Röntgenkontrollen).
  • Ist man sich nicht sicher, ob es sich um ein Enchondrom handelt können weitere Diagnostische Maßnahmen, wie CT oder MRT hilfreich sein.
  • Große Enchondrome werden auch ohne Beschwerden operiert um einen Bruch zu verhindern.
  • Bei Beschwerden sollte auch ein kleines Enchondrom operiert werden.

Die Operation

Die Enchondrom-Op besteht darin den Tumor vollständig zu kürettieren. Der Zugang kann am Finger streckseitig oder seitlich sein. Unter Schonung der wichtigen Strukturen wird der Knochen dargestellt und eröffnet – z.B. durch Fräsen oder Meißeln. Nun wird das glasig-knorpelige Enchondrom mit einer Kürette ausgeschält. Dieses muss unbedingt vollständig geschehen. Wenn Reste verbleiben ist ein Wiederauftreten vorprogrammiert.

Die nun entstandene Knochenhöhle wird anschließend ausgefüllt. Dieses kann je nach Größe mit Spongiosa (Knochenmark) vom Beckenknochen oder von der Speiche (Unterarmknochen) geschehen. Manche Handchirurgen benutzen auch chemisch aufgearbeitetes Knochenmaterial von der Leiche (Allograft)6. Es gibt auch Knochenersatzmaterialien aus Hydroxylapatit die man benutzen kann. Durch letztere erspart man sich eine zweite Wunde und die manchmal nicht zu vernachlässigenden Schmerzen nach der Knochenentnahme vom Becken. Allerdings ist die Auffüllung des Hohlraumes bei stabiler Knochenwand nicht unbedingt nötig.5 Der Hohlraum wird mit der Zeit wieder vom Körper aufgefüllt.

Nach der Enchondrom-Operation ist Folgendes zu beachten.

Die Nachbehandlung richtet sich nach der Ausdehnung des Befundes und der damit verbundenen Operation. Daher kann die Ruhigstellung von wenigen Tagen bis zu 4-6 Wochen bei Brüchen reichen. Auch die Bewegungsübungen und der Beginn der Krankengymnastik variieren je nach Op.

Auch nach der Abheilung sollten weitere Röntgenkontrollen durchgeführt werden, denn das Enchondrom kann in ca. 4,5% der Fälle wieder auftreten.7

Hier noch einige Bilder, die bei der Operation mit dem Bildwandler festgehalten wurden:

  • 1,2 Enchondrom des Zeigefinger-Grundgliedes (Röntgen in 2 Ebenen). Die Kortikalis (stabile äußere Knochenwand) ist sichtlich ausgedünnt.
  • 3,4 Mit Spongiosa vom Beckenkamm aufgefüllter Defekt

Knochenzyste des Fingers paZeigefinger: Zyste im seitlichen Strahlengang

mit Beckenkamm-Spongiosa aufgefüllter Defektseitliches Röntgen nach der Operation